Jana Puschke hat in Heidelberg und Bonn Theologie studiert und das Kirchliche Examen in der EKiR abgelegt. Heute arbeitet sie als Studiengangsmanagerin an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Bonn und promoviert im Fach Systematische Theologie.
Liebe Jana, was macht die Theologie überhaupt – in einem Satz zusammengefasst?
Das ist aber eine Fangfrage (lacht). Theoretisch kann man es aus dem Griechischen herleiten: „Die Rede von Gott“. Das ist an sich aber auch die Fangantwort, denn in der Theologie sagen wir oft, dass wir eigentlich gar nicht von „Gott“ reden können – weil Gott kein Gegenstand ist, den man beobachten und erforschen könnte. Also muss sich die Theologie eigentlich mit dem Gott- und dem Weltverhältnis beschäftigen.
Was sind die typischen Sorgen, mit denen Studierende zu dir in die Studienberatung kommen?
Der Standardfall ist erstmal: Wie baue ich mein Studium auf und wie organisiere ich mein Semester. Denn man hat sehr viele Freiheiten in diesem Studiengang, aber genau das überfordert auch viele. Daher wollen die Studierenden sich bei mir rückversichern, dass sie auch tatsächlich alle Modulvoraussetzungen erfüllen und die richtigen Lehrveranstaltungen wählen, um sich später für eine Prüfung anmelden zu können.
Ich schaue mir aber auch mit den Studierenden zusammen gezielt ihre Interessensfelder und mögliche „Angstfächer“ an. Wo bietet es sich an, lieber eine Hausarbeit zu schreiben, und wo liegt ihnen vielleicht eine mündliche Prüfung besser?
Darüber hinaus geht es dann auch um Themen wie Beurlaubungen oder Ausfällen im Semester, zum Beispiel durch persönliche Probleme, Familienbetreuung oder die Pflege von Angehörigen. Gemeinsam überlegen wir dann, was in solchen Semestern machbar ist.
Wie hat dich das Theologiestudium auf diesen Beruf vorbereitet?
Gerade in beratenden Tätigkeiten wie der Prüfungsberatung oder der Unterstützung bei Problemen und Sorgen ist ein Theologiestudium mit einem seelsorglichen Hintergrund von großem Vorteil. Die administrativen Aufgaben an der Fakultät kann man theoretisch auch ohne Theologiestudium machen, aber da ich hier selbst studiert habe, kenne ich die spezifischen Situationen und Herausforderungen, mit denen die Studierenden sich beschäftigen.
Das Theologiestudium vermittelt auch ein Gefühl dafür, wie man Menschen begegnet – die Wahrnehmung eines Anderen, das Zuhören und die Art auf den Anderen einzugehen, sind in beratenden Berufen und im Coaching enorm hilfreich. Dazu kommen hermeneutische und analytische Fähigkeiten und die Kompetenz, komplexe Sachverhalte zu kommunizieren.
Mit einem Abschluss in Theologie stehen viele berufliche Möglichkeiten offen: Neben dem Pfarramt gehen Absolvent*innen in die Wirtschaft, ins Verlagswesen, die Verwaltung oder ins Gesundheitswesen. Lehramt und Wissenschaft sind sowieso klar. Auch der Journalismus bietet sich an, da man im Studium hervorragend im Schreiben und Analysieren von Texten geschult wird. Der Abschluss und die im Studium erworbenen Kompetenzen sind auch über das Vikariat hinaus vielseitig einsetzbar.
Was muss man denn für ein Theologiestudium mitbringen?
Ganz allgemein sollte man erstmal Freude am Lesen mitbringen. Wir lesen natürlich nicht den ganzen Tag über nur Texte, aber eben doch sehr viele. Da ist es sicher sinnvoll, dass man auch gerne physische Bücher in die Hand nimmt und sich dafür begeistern kann.
Aber auch inhaltlich sollte man breit interessiert sein – von Bibelkunde über Philosophie und Religionswissenschaft oder Exkurse in andere Disziplinen. Und die Bereitschaft alles zu hinterfragen: Sich selbst, die eigene Weltsicht, die Sicht auf andere Menschen und auch Gott. In keinem anderen Fach wird man so herausgefordert, über sich hinauszuwachsen und das eigene Weltbild auf den Kopf zu stellen. Darauf muss man sich aber auch einstellen und bereit sein, kritisch zu denken.
Auf der Website der Universität gibt es übrigens einen Selbsttest, der helfen kann, herauszufinden, ob das Theologiestudium das Richtige ist. Ich überarbeite diesen Test gerade, aber ein Blick darauf lohnt sich schon jetzt. (Hyperlink zum Test) https://www.uni-bonn.de/de/studium/studienorientierung-und-uni-bonn-entdecken/online-self-assessments
Welche Tipps kannst du für die Prüfungsvorbereitung geben?
Das Wichtigste ist, sich einen sinnvollen Plan zu machen und zwar ab dem Moment, in dem man anfängt. Es bringt nichts, sich darüber zu ärgern, dass der perfekte Start vielleicht vor vier Wochen gewesen wäre. Entscheidend ist: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Ich sage den Studierenden dann: „Hier und jetzt starten wir.“ Von diesem Punkt aus wird konsequent geplant: Fächer und Themen einteilen, Prioritäten setzen – welche Themen brauchen mehr, welche weniger Aufmerksamkeit? Und dabei unbedingt Pufferzeiten einplanen, mindestens 20 Prozent. Wenn die Zeit knapp wird, muss man auch schauen, wo sich Themen knapper zusammenfassen lassen. Also welche Ressourcen habe ich noch und damit dann planen. Das Allerwichtigste ist: Bloß nicht in Panik geraten!
Und wie bereite ich ein Thema gut auf?
Der erste Blick sollte da in die Prüfungsordnung und den Modulplan gehen oder in Absprache mit den Dozierenden erfolgen: Was ist überhaupt gefordert? Nur wenn Anforderungen klar sind, kann man gezielt lernen und sich darauf vorbereiten.
Und danach gilt: nicht in letzter Sekunde die Methoden wechseln und neues Material anhäufen. Wer immer digital gearbeitet und mitgeschrieben hat, sollte dann auch bei der Prüfungsvorbereitung dabei bleiben und nicht Zeit damit verschwenden, plötzlich alles auszudrucken und Karteikarten zu schreiben, wenn das nicht der eigene Lernstil ist. Der Schlüssel liegt darin, die eigene Lernmethode zu kennen: Manche arbeiten gut mit Lernkarten, andere lieber digital, visuell mit Grafiken oder auditiv über Podcasts.
Auch KI-Tools bieten natürlich wunderbare Möglichkeiten, zum Beispiel für Zusammenfassungen oder die Erstellung eines Lernplans. Voraussetzung ist, dass man schon einen groben Überblick über das Thema hat, um das Tool gezielt anzuleiten. Dann ist es aber bestimmt eine gute Unterstützung. Solange man das Selberdenken nicht abschaltet. Man muss auch prüfen können, wo die KI Fehler macht.
Selbstorganisation und Zeitmanagement hast du eben angesprochen. Was gibst du den Studierenden da für Tipps?
Der erste Schritt: Die eigenen Ressourcen realistisch einschätzen. Wer drei Nebenjobs und Kinder hat, kann nicht den gleichen Workload stemmen wie jemand, der keine zusätzlichen Verpflichtungen hat. Aber auch Hobbies und die Freizeit müssen mit eingeplant weden. Natürlich gibt es Phasen, in denen man richtig reinklotzt, aber das geht nicht dauerhaft. Niemand kann in allem immer 100 Prozent geben.
Es ist sinnvoll einen groben Langzeitplan zu haben. Wie lange möchte ich in etwa studieren, bis wann muss ich fertig sein, um zum Beispiel die BAföG-Förderung nicht zu verlieren? Dann kann man daraufhin schauen, wie viele Module pro Semester belegt werden. Aber dieser Plan muss auch flexibel bleiben. Denn man kann nicht fünf Jahre in die Zukunft gucken, und es kann auch mal vorkommen, dass einem eine bestimmte Prüfung schwerer fällt als gedacht und man mehr Zeit dafür braucht.
Zu Beginn jedes Semesters kann man dann, auch gerne mit meiner Unterstützung, spezifisch auf die kommenden Wochen schauen: Welche Lehrveranstaltungen, Studien- und Prüfungsleistungen muss ich erbringen? Wie viel Zeit braucht die Vor- und Nachbereitung der Veranstaltungen? Und von da an sollte man sich auch schon einen Zeitplan für das Lernen erstellen, ab wann fange ich an für die spezifische Prüfung, z.B. die Sprachprüfung, zu lernen. Und von da an kann man dann auf Wochenbasis konkret planen: Wann bin ich in der Uni, wann in der Bib? Wann bei der Arbeit? Und wie gesagt: besonders wichtig ist es, auch Freizeiten und Hobbies fest einzuplanen.
Ein guter Ansatz ist es also in unterschiedlichen Zeiteinheiten zu denken: Je weiter weg, desto flexibler muss der Plan sein und je näher dran, desto konkreter wird es. Pufferzeiten sind hier entscheidend, damit man zum Beispiel bei Krankheit nicht sofort in Panik gerät. Da unterstütze ich die Studierenden auch, Pläne nochmal zu überarbeiten. Was muss unbedingt funktionieren? Was ist schön, wenn es klappt? Und was ist vielleicht auch nicht so wichtig?
Natürlich, denn es ist ja auch wichtig, ein Leben neben dem Studium zu haben.
Auf jeden Fall. Idealerweise sollten natürlich Studium und Arbeit genauso viel Spaß machen wie die eigenen Hobbies auch. Also wenn es zu dem Punkt kommt, an dem man das Arbeiten nur noch aushält und sich durch den Tag schleppt, mit den Augen nur noch auf den Feierabend gerichtet, dann ist es ein Zeichen innezuhalten. Dann muss man nochmal seine Motivation für das Studium prüfen und ob es überhaupt noch das Richtige für mich ist.
Aber auch wenn es das schönste Studium der Welt ist, gibt es natürlich mal stressigere Phasen. Es ist aber immer wichtig, das für sich auf den Prüfstand zu stellen: Wo genau liegt mein Tief gerade? Fehlt die Motivation nur für diese eine konkrete Prüfung zu lernen? Oder sind es grundsätzliche Studienzweifel? Je nach Ergebnis muss man entsprechend handeln.
Kurze Motivationslöcher sind völlig normal! Da kann man sich meistens schon helfen, indem man mal bewusst eine Woche freinimmt, um durchzuatmen und wieder Energie zu tanken. Aber wenn die Tiefs länger andauern oder es etwas Grundsätzlicheres ist, empfehle ich frühzeitig in unsere Beratung zu kommen. Gemeinsam können wir dann auf die Ziele schauen und darauf, was schon geschafft wurde. Die Zentrale Studienberatung der Uni Bonn bietet zudem regelmäßig Veranstaltungen und Workshops zum Thema Studienzweifel an.
Was ist denn explizit für das Theologiestudium das wichtigste?
Spaß – wie in allen anderen Bereichen des Lebens auch. Wenn der fehlt, dann muss man vielleicht im Semester auch mal eine reine Spaßveranstaltung in der Uni besuchen, auch wenn ich sie mir vielleicht nicht anrechnen lassen kann. Das ist aber wichtig für die Motivation. Zu schauen: Was arbeite ich nur ab und was macht mir aber auch wirklich Spaß. Welche Themen begeistern mich und wofür mache ich es.
Das Theologiestudium führt oft in soziale Berufe, und unsere Studierenden sind in der Regel sehr sozial orientiert. Deshalb sollte man auch das eigene Sozialleben nicht vergessen. Wichtig ist, Kontakte zu pflegen und die zwischenmenschlichen Fähigkeiten außerhalb des theoretischen Denkens am Schreibtisch zu stärken – sei es in der Uni, in der Gemeinde oder in Vereinen. Denn es ist wichtig, auch außerhalb der Fakultät und der Theologie sprachfähig und begeistert zu bleiben.
Hast du ein Lieblingslied für Instagram?
Oh, da muss ich mal in mein Spotify Wrap reinschauen: Matchbox Twenty – How Far We‘ve Come.
Und welches Emoji benutzt du am häufigsten?
Eigentlich will ich beim Schreiben immer ausdrücken, dass ich fröhlich bin und etwas nett meine – also 😊.
