Das Blog

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Von der Blogosphäre lernen: Warum wir bloggen?

Den Status einer technischen Spielerei oder modischen Erscheinung hat das Internet längst hinter sich gelassen. In der Gruppe der 14–19 jährigen nutzen im Jahr 2015 100% nahezu täglich das Internet, allem voran zur Kommunikation und zur Informationsbeschaffung.1 Insgesamt lässt sich festhalten, dass ein großer Teil des Lebens sich heute im Bereich des digitalen oder zumindest unter Benutzung von digitiale Hilfsmitteln stattfindet. Obgleich die wenigsten Internetnutzer angeben bewusst ein Blog aufzusuchen, ist aufgrund der hohen Zahl an Blogs2 allein in Deutschland aber davon auszugehen, dass Menschen, die im Internet nach Informationen suchen, ganz automatisch auf Blogeinträge treffen und diese Nutzen.

Was in der wissenschaftlichen Literatur der Essay ist, ist im Bereich von online Publikationen der Blog: Im Mittelpunkt steht die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit seinem jeweiligen Thema, wobei kaum Kriterien oder methodische Präliminarien existieren. Der Gewinn liegt in der Verständlichkeit und einer gewissen stilistischen Leichtigkeit der Texte. Für den Leser wird der Zugang zu Information und Erfahrung gleichermaßen niederschwellig ermöglicht.

Von der Bibel lernen: Warum erzählen wir Geschichten?

Eine lebendig erzählte Geschichte gewinnt die Aufmerksamkeit und Konzentration anderer Menschen leichter als eine nüchterne Ansprache. Nicht ohne Grund haben gerade viele biblische Autoren Geschichten benutzt, um komplexe Glaubensinhalte und -erfahrungen an ihre Leserinnen und Leser bzw. Hörer und Hörerinnen zu bringen.3 Der Inhalt der biblischen Texte erlangt gerade durch die Narrativität, nicht durch ihre Faktizität, „eine Bedeutung für die Leserinnen und Leser“4. Leserinnen und Leser von Geschichten versuchen im Verlauf der Handlung den Sinn zu erfassen und die darin enthaltene Botschaft zu verstehen, wobei jener (wenigstens in Teilen) unsichtbaren Wirklichkeit des Textes das Potential zu Veränderungen bei den Leserinnen und Leser innewohnt.5 Gute Geschichten verbreiten sich, werden miteinander geteilt, wollen selbst erlebt werden, und haben auf diese Weise soziale, virale und werbende Aspekte.

Die Intention eines narrativen Blogs auf meine.ekir.de

Parallel zu den wichtigen Informationen rund um Studium und Zugang zum Pfarrberuf bei der EKiR bietet meine.ekir.de mit seinem Blog also eine Plattform für Geschichten über den Weg ins Pfarramt. Geschichten, die das Leben erzählen. Nicht über ein beliebiges Leben, sondern vom Unterwegssein auf den ähnlichen, aber verschiedenen Pfaden ins Pfarramt. Geschichten, die exemplarisch sind, nicht allgemeingültig. Geschichten, die zeigen, was möglich ist als Student oder Studentin und als Pfarrerin oder Pfarrer in der Evangelischen Kirche im Rheinland, und die Lust darauf machen, selbst einen solchen Weg zu gehen.

Das Blog auf meine.ekir.de hat daher die Absicht, durch das Erzählen von Geschichten (Storytelling) aus dem Bereich des Theologiestudiums und des pastoralen Dienstes die beschriebene Zielgruppe an Erfahrungen aus einer ihnen noch unbekannten Umwelt teilhaben zu lassen und sie ihnen so zugänglich zu machen.6 In Kombination mit der Möglichkeit zur Kommentierung der einzelnen Blogbeiträge durch Nutzerinnen und Nutzer, entsteht ein Prozess offener Kommunikation, denn „wer erzählt, spricht gleichzeitig immer auch die Einladung aus, sich zu beteiligen und mit zu erzählen“7. Statt eines gesichtslosen selbstreferenzierenden Marketing-Mediums entsteht so ein authentischer Kommunikationskanal, d.h. ein soziales Medium. Hierbei ergibt sich die Chance durch den „Akt des Austauschs von Geschichten […] hierarchische und autoritative Differenzen zwischen den Beteiligten […] vorübergehend außer Kraft“8 zu setzen. Die Situation gemeinsamen Erzählens produziert also Offenheit im Kommunikationsprozess.

Voraussetzungen für Storytelling

Das Erzählen von Geschichten bzw. professionell eingesetztes Storytelling auf meine.ekir.de braucht Akteure, die Freude an offener Kommunikation haben und die subjektiven Beiträge ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ihrer Kundinnen und Kunden schätzen. Darüber hinaus ist eine Haltung aller Beteiligen erforderlich, bei der Neugierde auf das Wissen und die Erfahrungen anderer im Mittelpunkt stehen: „Storytelling […] setzt voraus, dass man die Grundannahme teilt, das jeder, der in Beziehung zum eigenen Unternehmen, zur eigenen Organisation steht […] wichtiges Wissen hat, das kennen zu lernen sich lohnt“9.

Abgrenzung

Es ist bereits deutlich geworden, dass meine.ekir.de sich als narrativer Blog vom Format des Berichts als eine journalistische Darstellungsform, die einen Sachverhalt oder eine Handlung schildert, ohne Wertungen des Autors zu enthalten, abgrenzt. Die biblischen Referenzpunkte wirken dabei nicht nur als anschauliches Beispiel für die Wirkung von Geschichten, sondern auch als Abgrenzung in die andere Richtung: Es geht nicht um Literarizität im Sinne von kunstvoller Fiktion10, sondern um Ereignisse und Erfahrungen, die erzählerisch aufbereitet, Zugang zu einem komplexen und durchaus unterschiedlich erlebbaren Lebensweg bieten.

Diese individuellen Auseinandersetzungen mit eigenen Erlebnissen innerhalb des Formats eines Blogs lassen redaktionelle Abnahmen oder Überarbeitungen wie sie aus dem klassischen journalistischen Betrieb bekannt sind, überflüssig werden. Stattdessen wird es darum gehen Angebote für die Autorinnen und Autoren gewissermaßen auf Augenhöhe zu entwickeln, die ihnen dabei helfen gemeinsam die Qualität ihrer Beiträge zu erhöhen.

Auf diese Weise entstehen auf meine.ekir.de glaubwürdige Darstellungen des Berufslebens als Pfarrer oder Pfarrerin in der EKiR.

Die Core Story

Die Core Story bildet das Herzstück des Blogs aus der Autorenperspektive. Sie alle, ob im Studium oder im Vikariat, als Mitarbeitende im Ausbildungsdezernat oder gerade frisch im Pfarrberuf, sind als Autorinnen und Autoren bei meine.ekir.de herausgefordert mit der Frage „Was macht man denn da so?“. Die Core Story gibt dabei zum einen einen Eindruck von der inhaltlichen Ausrichtung des Blogs: Deutlich wird, dass niemand die Hoheit über Wahr und Falsch hat. Gerade die jeweils eigene Sicht ist ein Gewinn für eine möglichst breite und umfassende Darstellung der Möglichkeiten, die ein Theologiestudium und das Pfarramt bietet. Zugleich veranschaulicht die Core Story die narrative Ausrichtung: Die Form wird bestimmt durch einen niederschwelligen Kontakt und leichten Umgangston, gerade so als erzählte sich man sich in geselliger Runde beim Bier in der Küche einer studentischen Wohngemeinschaft exemplarische Anekdoten. Eine Grenze muss dabei gar nicht formuliert werden, denn alle schreiben stets im Bewusstsein, dass sie für die Öffentlichkeit und über ihre (zukünftige) Dienstherrin schreiben.


1ARD/ZDF-Onlinestudie 2015, abgerufen am 12. Juli 2016.

2In Deutschland gibt es schätzungsweise 300.000 Blogs. (Jan-Hinrik Schmidt: Wie viele Blogs gibt es in Deutschland? 27. August 2013, abgerufen am 12. Juli 2016).

3Hierzu gehören bspw. Die Verfasser des Markus- und des Lukasevangeliums, aber auch der Beginn der Tempeldarstellung im Ezechielbuch. (Vgl. Flebbe, Jochen: Zur Literarizität der Evangelien. Antrittsvorlesung an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn, 2015, unveröffentlichtes Vortragsskript)

4Flebbe, Literarizität, 6.

5Flebbe, Literarizität, 3.

6Vgl. Frenzel, Storytelling 4.

7Frenzel, Storytelling 5.

8Frenzel, Storytelling 5.

9Frenzel, Storytelling 2.

10Vgl. Flebbe, Literarizität 2.