Interview Hannah Bleher: Zwischen Generalistin und Expertin. Über die Begeisterungsfähigkeit und die Anschlussfähigkeit der Theologie.

Interview zwischen Hannah Bleher und Saskia Held

 

Was ist Theologie? In einem Satz zusammengefasst?

Theologie ist die wissenschaftliche Reflexion des christlichen Glaubens.

Du arbeitest am Fachbereich Systematische Theologie / Ethik. Was macht die Ethik so interessant für dich?

Um das Spiel der vorherigen Interviews mitzuspielen: Die Ethik ist natürlich das beste Fach! Was mich wirklich sehr begeistert an dem Fach ist einfach, dass Themen des alltäglichen, politischen, gesellschaftlichen Zusammenlebens reflektiert werden. Das ist auch mein Zugang: Alles zu befragen und zu hinterfragen, was die Gesellschaft beschäftigt, da steige ich total gerne ein. Ich finde, dass Ethik dadurch auch besonders relevant für Menschen außerhalb der theologischen Bubble ist. Man könnte vielleicht sagen: Die Ethik ist der gesellschaftsbezogene Strang der Theologie. Das heißt, alles, was das Zusammenleben betrifft, ist von Interesse, zum Beispiel wie christliche Themen in der Gesellschaft wirken und Einfluss haben oder ob und wie Kirche einen Beitrag zum gemeinsamen Leben leisten kann oder überhaupt soll. Eine Pfarrerin oder ein Lehrer kommt meines Erachtens ohne eine ethische Ausbildung nicht weit, denn für sie geht es tagtäglich darum, Fragen wie „Was heißt christliches Leben?“ und „Wie handeln wir christlich und gut?“ in die Praxis – also in der Gemeinde und Schule – zu übersetzen. Wichtig ist natürlich zu erwähnen, dass wir in Bonn eben genau diesen gesellschaftlichen Fokus haben und Sozialethik machen.

Magst du dich und deinen Weg in die Theologie kurz vorstellen?

Also ich bin schon ganz klassisch für Theologinnen sehr kirchennah aufgewachsen und christlich erzogen worden und hatte eigentlich mein Leben lang mit christlicher Gemeinde- und Jugendarbeit zu tun. Der christliche Glaube gehörte zu unserem täglichen Familienleben dazu. Und als ich mein Abitur in Baden-Württemberg gemacht habe, habe ich Religion als Hauptfach gewählt. Das Glück war, und das möchte ich echt betonen, ich hatte eine wahnsinnig gute Religionslehrerin in der Oberstufe. Sie ist Pfarrerin und hat einen fantastischen Religionsunterricht gemacht. Lehrkräfte wie sie sind so wichtig! Sie hat uns echt gefordert, zum Nachdenken animiert und quasi ein kleines theologisches Grundstudium mit uns durchgezogen, von dem ich lange profitiert habe. Da müsste man meinen, mit diesem Hintergrund ist der nächste Schritt natürlich das Theologiestudium, aber: ich bin echt für vieles begeisterungsfähig und eher generalistisch veranlagt! Ich habe mich für allerlei Studiengänge beworben, weil so vieles so interessant klang! Nach einem sehr, sehr kurzen Ausflug in den Studiengang International Economics, den ich dann auch direkt wieder abgebrochen habe, habe ich mich dann für Theologie entschieden. Von verschiedenen Menschen um mich herum, an der Schule und in der Gemeinde, hatte ich immer wieder gehört: „Hey, Theologie, das passt doch so zu dir.“ Und dank des wahnsinnig guten Reli-Unterrichts konnte ich dann auch super easy ins Studium einsteigen.

War schon im Studium klar, dass die Ethik dein Fach wird und dass du promovierst?

Dadurch, dass ich so generalistisch veranlagt bin, liebe ich einfach Schnittmengenthemen. Deswegen habe ich dann auch im Studium schon diese Fächer und interdisziplinäre Veranstaltungen immer besonders gerne belegt. Und einmal, das weiß ich noch genau, habe ich im ersten oder zweiten Semester ein Plakat gesehen, eine Werbung für den Public Theology-Master in Bamberg und da dachte ich direkt: „Das mache ich!“ Ich habe dann zwar keinen Master gemacht, aber ein Auslandssemester in Stellenbosch in Südafrika, um mehr über Öffentliche Theologie zu erfahren. Politik, gesellschaftliche Themen und Theologie, das ist einfach mein Ding. Es hat sich schon schnell herauskristallisiert, dass mich die gesellschaftlich-politischen Themen enorm ansprechen. Darum finde ich den Job der „Pfarrerin“ auch immer noch interessant für mich, gerade die öffentliche, gesellschaftliche Dimension finde ich spannend. Und auch als studentische Hilfskraft am ethischen Lehrstuhl in Erlangen hatte ich schon im Studium Einblicke und Möglichkeiten, mich in diese Richtung weiter zu profilieren.

… und dann hast Du entschieden zu promovieren?

Hier vielleicht mal ein positiver Blick auf die „geringen“ Studierendenzahlen in der Theologie: Ich würde das gerne als große Chance begreifen, Studierende individuell zu fördern! So war es nämlich bei mir, durch die Lehrveranstaltungen und die Arbeit am Lehrstuhl für Ethik in Erlangen, vor allem aber durch den damaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter, Matthias Braun, habe ich schon als studentische Hilfskraft wirklich Empowerment erlebt und einen wichtigen Mentor gefunden. Er war es, der mich ermutigt hat, meinen Interessen und meinen Fähigkeiten nachzugehen und dann auch den Schritt zu wagen, zu promovieren. Der Weg in die Wissenschaft ist dann vor allem dank dieser Unterstützung so geebnet worden.

Aber ich muss dazu sagen: Ich habe bis zum Examen sehr mit mir gehadert, ob ich einen wissenschaftlichen Weg einschlagen möchte. Bis heute ist das Pfarramt für mich spannend und nach wie vor eine Option. Heute, ein paar Jahre später, denke ich auch zunehmend, was für ein extrem wichtiger Job das Pfarramt ist: Menschen in schwierigen, in tollen, in schönen, aber auch traurigen und frustrierenden Lebenssituationen zu begleiten, es gibt nichts Vergleichbares! Am sozialen Zusammenhalt mitzuwirken, Beziehungen zwischen den unterschiedlichsten Menschen zu bauen, Hoffnung zu vermitteln, wenn die Welt drumherum aus den Fugen zu sein scheint, das finde ich wichtig und begeistert mich sehr. Diese Berufsperspektive, zurückgekoppelt an das Theologiestudium mit seiner Fächer- und Themenvielfalt, – da muss man echt Werbung für machen – ist einmalig: Das Theologiestudium bietet super viele Chancen, eine tolle Berufsperspektive und dadurch, dass wir weniger werden, haben wir die Möglichkeit, auch die individuellen Fähigkeiten und Interessen der Studierenden zu sehen und zu fördern!

Das ist total erfrischend auch mal positiv über die Zukunft vom Theologiestudium nachzudenken. Hast du noch mehr Ideen für eine Reform des Studiums oder der Wissenschaft?

Eine Menge! (lacht) Das erste für mich wäre: Wir müssen meiner Meinung nach auf das Bachelor-Master-System umstellen. Allein, um der Vielfalt und den Studierenden in unserem Fach noch besser gerecht zu werden. Theologie kann meiner Meinung nach nicht mehr nur bei den fünf Grunddisziplinen bleiben, sondern ich meine, dass die Anschlussfähigkeit an andere Fächer und der bereits bestehende und geführte Austausch mit anderen Disziplinen sich auch abbilden muss in der Studienstruktur. Auch für die Studierenden finde ich das wichtig, um neben dem Pfarramt auch andere Berufswege zu eröffnen. Man muss ja nur mal schauen, wo Theolog*innen heute schon überall sitzen: Gemeinden und Schule sind das eine, aber es gibt auch noch viele andere Möglichkeiten, uns als Theolog*innen in die Gesellschaft, Wirtschaft und die Wissenschaft einzubringen, und dafür müssen wir das Theologiestudium fit machen. Was für eine schöne Vision wäre es, wenn wir Theologinnen ausbilden, die als Generalisten für Fragen des Weltverstehens auf der einen Seite und Expertinnen für konkrete Bereiche, wie Seelsorge, Soziales, Wirtschaft, Politik, Technik, Management, Bildung und vieles mehr, auf der anderen Seite auch Antworten auf Zukunftsfragen bieten. Da liegt ein unfassbares Potenzial, wenn wir individuelle Fähigkeiten weiter ausbilden und mit speziellen Masterstudiengängen beispielsweise weiter professionalisieren. Das hilft meiner Meinung nach auch, um den Aufgaben und großen Herausforderungen in den Schulen und Gemeinden besser gerecht zu werden.

Außerdem würde ich es gerne sehen, dass Englisch stärker als Sprache ins Studium integriert wird, einfach, weil es die vorherrschende Forschungssprache ist und die Theologie international anschlussfähiger macht. Es sollte nicht in Stein gemeißelt sein, dass wir uns für immer nur mit Hebräisch, Griechisch und Latein beschäftigen. Auch da kann eine weitere Individualisierung des Studiums meiner Meinung nach helfen, zu schauen, auf welche Sprachen und Kontexte man persönlich einen Fokus legen möchte. Theologie muss internationaler und kontextueller gedacht werden, denke ich.

Zum Thema Forschung: Du schließt bald deine Promotion ab. Hast du Lust da einen kleinen Einblick zu geben?

Ich beschäftige mich mit dem Kompromiss, als Thema der Politik und der Theologie. Der Kompromiss ist ja eigentlich etwas Alltägliches, wir machen ständig Kompromisse. Aber tatsächlich gibt es wenig systematische Untersuchungen dazu, weder in der Politikwissenschaft noch in der Theologie. Der Kompromiss ist noch ein relativ leeres Blatt und meiner Meinung nach eigentlich der Hidden Champion der Politik. Ich versuche also zusammenzustellen, was es bisher zum Kompromiss in den politischen Theorien und der Theologie gibt. Den Anlass hat ein Ausschnitt in Helmut Thielickes Ethik gegeben. Im Grunde entwickle ich eine Reflexion des Kompromisses, um zu entschlüsseln, was für ein reiches und vielfältiges Konzept der Kompromiss als eine Form des gemeinsamen Handelns ist. Ganz grundlegend könnte man mein Forschungsinteresse so zusammenfassen, dass ich mich frage: „Wie können wir eigentlich gemeinsam handeln?“ Meine Antwort wäre: Der Kompromiss ist ein unterschätztes Konzept – in allem Facettenreichtum und der Fuzziness des politischen Miteinander und bei aller Polarisierung verbindet der Kompromiss. Der Kompromiss ist sicherlich nicht perfekt, – und den Anspruch hat er auch gar nicht, –  aber er ist eine Möglichkeit gemeinsam zu handeln.

Weißt du schon, wie es danach weiter geht oder was dein nächstes großes Projekt sein soll?

Puh, es ist total schwierig für mich, da gerade eine Prognose abzugeben. Hier in Bonn mit diesem Team zusammenzuarbeiten, das ist ein Geschenk und irre privilegiert. Mir macht die Wissenschaft und vor allem auch die Zusammenarbeit und Lehre hier in Bonn, mit tollen Studierenden, sehr viel Spaß. Die Uni Bonn ist echt ein toller Ort! Der Nachteil an der wissenschaftlichen Karriereplanung ist aber auch – und das ist ja bekannt –, bei allem, was ich mir persönlich wünsche, ist das System Wissenschaft umkämpft und es gibt erstmal keine 100% sicheren Prognosen.

Aber eine Entwicklung, die ich unabhängig von meinem Karriereweg sehen möchte: Wir brauchen mehr Frauen in der Wissenschaft. Gerade bei uns kommen super viele junge Frauen ins Theologiestudium und es ist allerhöchste Zeit, dass sich das auch in den Fakultäten abbildet. Bei all der Unterstützung, die man bekommt und die ich persönlich erlebe, darf man sich nicht täuschen lassen, dass es immer noch strukturelle Ungerechtigkeit gibt. Wir haben mittlerweile zwar mehr Professorinnen in der Theologie. Aber die Zeit, in der man wissenschaftlich „produktiv“ sein und viel leisten muss, fällt eben auch mit der Familienplanung zusammen. Und da kennen wir alle die Statistiken: Familie zu gründen bedeutet für Frauen einen Karriereknick. Hier in Bonn und gerade in unserem Team wird darüber viel nachgedacht, wie man das besser machen kann. Dafür bin ich auch wahnsinnig dankbar hier zu sein, weil ich hier eine ernsthafte Bemühung erlebe, Frauen explizit zu fördern.

Für die Kirchen gilt das meines Erachtens genauso. Es gibt viel weibliches Potenzial in den Generationen, die jetzt kommen, aber das zeichnet sich noch nicht in den Führungspositionen ab, wo Einflussmöglichkeiten und Macht zusammenkommen, auch um Strukturen grundsätzlich zu ändern. Da brauchen wir mehr Wingmen und -women.

Du bist vor allem auch mit anderen Disziplinen in gemeinsamer Forschung beschäftigt. Wie verteidigst du da den Anspruch der Theologie gegenüber den anderen Wissenschaften? Oder ist das überhaupt ein Thema?

Ja, ich bin in der Digitalen Ethik und Ethik der Künstlichen Intelligenz als angewandtes Fach, neben meiner durch und durch theologischen Dissertation, tätig. Ich war in den letzten Jahren zeitweise in einem Projekt tätig, dass sich mit der Digitalisierung der Schwangerschaftsvorsorge durch smarte Technologien beschäftigt hat. Damit ist gemeint, dass man zum Beispiel verschiedene Untersuchungen, die während der Schwangerschaft anstehen, durch smarte Geräte, wie Smart Watches, intelligente Waagen, Schlafmatratzen, portable Ultraschallgeräte oder Wehen-Tracker in den Heimbereich verlegt, damit die Schwangeren vielleicht nicht immer in die Praxis müssen für nur sehr kurze Untersuchungen.

Es ist eine wahnsinnig interessante Sache, so ein interdisziplinäres Projekt. Ich bin am Anfang sehr optimistisch, aber auch naiv an die interdisziplinäre Arbeit herangegangen. Ich dachte, das wird total easy zusammenzuarbeiten, denn wir haben ja alle das gleiche Ziel. Einerseits habe ich lernen dürfen, wie bereichernd und wertvoll die Arbeit in interdisziplinären Teams ist, aber andererseits habe ich auch verstanden, wie herausfordernd die Kommunikation zwischen verschiedenen Fachbereichen sein kann.  In den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen sprechen wir doch schon sehr unterschiedliche Sprachen und nutzen unterschiedliche Methoden und Ansätze. Da braucht es Vermittlung! Ich habe echt praktisch verstehen dürfen, was es bedeutet, interdisziplinär zu arbeiten, und sehr viel von den anderen Projektpartnern gelernt. Ich habe viel mitgenommen und adaptiert, das ist so bereichernd für die eigene Arbeit und die Fähigkeiten, die man daraus entwickeln kann. Und mich hat es dann auch sehr bestärkt, dass die anderen interessiert waren an unseren Perspektiven, Ansätzen und Methoden. Da können wir echt selbstbewusst sein und kreativen Austausch wagen. Da liegt super viel Potenzial. Wir haben in der Theologie und der Ethik einen echten Perspektiven- und Methoden-Reichtum und so viele Anschlussstellen, die für technische, medizinische, sozialwissenschaftliche und viele andere Fächer spannend und gewinnbringend sind, da sollte wir uns nicht verstecken oder zurückhalten, vielmehr: Lasst mal innovativer sein!

Um nochmal die Lehre aufzugreifen, was muss man denn in der Ethik auf jeden Fall gelesen haben? Hast du Literaturtipps für Studierende?

Hot Take: Man muss erstmal gar nichts gelesen haben. (lacht) Das heißt nicht, dass man ohne etwas zu lesen auskommt, aber anstatt ewig lange Listen von Standardwerken zu empfehlen, finde ich es in der Ethik viel, viel wichtiger, die aktuelle Nachrichtenlage im Blick zu haben und über aktuelle Debatten und zentrale gesellschaftliche Themen informiert zu bleiben: Was gibt es für Positionen, wie werden diese diskutiert? Also Nachrichten und aktuelle Stellungnahmen zu konsumieren ist ein sehr wichtiger Punkt.

Aber natürlich braucht es auch die klassische Literatur von Standardwerken, um sich gut aufs Examen vorzubereiten. Das „Handbuch der Evangelischen Ethik“ von Huber, Meireis und Reuter ist top und bietet aktuell den besten Überblick über ethisches Grundlagenwissen. Sicherlich lohnt es sich, sich einen theologisch-ethischen Gesamtentwurf zu Gemüte zu führen. Ich persönlich habe beispielsweise enorm davon profitiert, mich mit Bonhoeffers Ethik-Fragmenten auseinanderzusetzen. Aber auch aktuelle Paper und Artikel sind wichtig. Man muss in der Ethik einfach am aktuellen Diskurs dran bleiben. Das bedeutet vor allem, dass man wissen muss, wie man gut und schnell Literatur recherchiert. Zum Beispiel zu einem Thema wie Sozialer Gerechtigkeit, da gibt es natürlich Standardliteratur wie von John Rawls, aber wenn ich genauer wissen will, wie die Debatte gerade geführt wird, was zentrale Fragen sind, wo sich die Gemüter scheiden, dann muss ich aktuelle Artikel und Literatur dazu lesen. Man sollte am besten zu konkreten Fragestellungen die meist sehr spezifische Literatur suchen. Einen guten Anfang für innertheologische Perspektiven und Debatten bietet beispielsweise die Zeitschrift für Evangelische Ethik oder auch etwas allgemeiner noch Zeitzeichen. Sinnvoll ist es sicherlich auch, sich Google Scholar-Alerts und RSS-Feeds zu bestimmten Themen oder für Nachrichten einzurichten, die Debatten finden aber auch auf Sozialen Medien statt, wie auf X und zunehmend auch auf Instagram und TikTok.

Also man kann es so zusammenfassen: Grundwissen anlesen, konkrete Themen vertiefen und dann informiert bleiben.

Du hast die Literaturrecherche angesprochen, was hältst Du eigentlich von ChatGPT, um sich auf das Examen vorzubereiten oder für Hausarbeiten?

Grundsätzlich bin ich Fan von solchen neuen Tools. Ich bin da immer super neugierig und liebe es neue Tools kennenzulernen und auszuprobieren. Meiner Meinung nach können ChatGPT und Co. grundsätzlich eine gute Unterstützung sein, allerdings: In einem sehr begrenzten Umfang! Die eigenständige Erarbeitung von Themen muss trotzdem gelernt werden. Ich brauche das wissenschaftliche Training, um gut mit solchen Tools umgehen zu können. Diese ganzen Tools sind also eher Hilfsmittel und können wunderbar als eine Art Gesprächspartner genutzt werden, aber definitiv nicht als Quellen für Inhalte oder als Assistenten, die die gesamte oder Teile der Arbeit erledigen. Grammatik, Kommasetzung und Formulierungen gegenchecken zu lassen, das ist total sinnvoll. Sich von den Tools inspirieren zu lassen, schneller auf Inhalte aufmerksam gemacht zu werden, sich Arbeitsstrukturen oder Feedback vorschlagen zu lassen, ist auch super. Aber all das unter dem Disclaimer: Alles in Frage stellen und nicht ungeprüft übernehmen! Copy-and-paste ist fahrlässig. Wir kommen nicht drum herum, KI in der Lehre und im Studium zu integrieren; wir müssen uns da vielmehr für ein verantwortungsvolles Lehren und Lernen mit solchen Tools einsetzen.

Im Moment, muss ich sagen, erkennt man noch sehr stark, was von ChatGPT und Co. erstellt worden ist, zum Beispiel in Essays und Hausarbeiten: das Wording, die Struktur, die Formulierungen sind ehrlich gesagt aktuell noch sehr auffällig und schematisch. Aber die Tools werden in Zukunft immer besser werden. Also müssen wir einen guten Umgang damit finden. Und wenn ich schon für vielleicht manche Lesende radikale Vorschläge fürs Studium und die Theologie mache, dann auch an dieser Stelle: Vielleicht müssen wir das Format der Hausarbeit überdenken. Also andere Aufgaben stellen und Vertiefungen fordern, die kein Tool kann! Also nicht nur die Darstellung von Inhalten bewerten, sondern noch viel, viel stärker auch im Grundstudium Argumentationsgänge und Vertiefung bewerten, ad hoc Aufgaben oder Debattenformate als Prüfungsleistung etablieren. KI verändert das wissenschaftliche Arbeiten komplett, vieles wird leichter, aber manches wird sich auch negativ auswirken. Damit es eine positive Veränderung ist, müssen wir uns meines Erachtens sowohl darauf einlassen und uns flexibel anpassen als auch mit starken, sinnvollen und haltbaren Regeln reagieren. Bei all dem, darf aber auch das Vertrauen in Studierende und Wissenschaftlerinnen nicht verloren gehen. Es soll ja zum Besten dienen.

Zum Schluss: magst du uns ein Testimonial da lassen?

Theologie ist relevant. Theologie ist begeisternd. Theologie ist anschlussfähig. – Das ist übrigens auch der Spirit, den ich hier in Bonn erlebe: Theologie ist ein absolut tolles Fach, und das strahlen alle hier aus!