FTT 2024: Kirche und Gesellschaft – Zwischen gemeinschaftlich gelebter Frömmigkeit und politischem Engagement

Gemäß dem Titel der diesjährigen FTT beschäftigten wir uns am vergangenen Wochenende mit den Themen Frömmigkeit und Politik, versuchten diese auch zusammen zu denken und im kirchlichen Kontext zu verorten. Die gemeinsamen Tage waren gefüllt mit inspirierenden Gesprächen und gemeinschaftlichen Aktivitäten, die von einigen Momenten der Besinnung begleitet wurden.

Die niemals zu unterschätzende Diskussionsfreude Theologiestudierender stellte den angedachten Zeitplan als relativ knapp bemessen heraus. Daher wäre es vermessen zu behaupten, wir hätten die Thematik gänzlich durchdrungen, die sicherlich genug Material für ein ganzes Hauptseminar geboten hätte. Dennoch ließen uns die Gedanken und Eindrücke der Tagung zum Teil mit einem schwer zu stillenden Tatendrang zurück, der nicht nur den Wunsch nach erneuter Beschäftigung mit den besagten Themen, sondern auch die Vorfreude auf den zukünftigen Pfarrberuf bestärkte. Denn gerade die Fokussierung auf den kirchlichen und gesellschaftlichen Kontext, machte den akuten Handlungsbedarf deutlich, der mit den aufgeworfenen Problemen einhergeht.

Die wichtigsten Ereignisse sollen im Folgenden noch kurz Erwähnung finden.

Im Laufe des Freitagnachmittags trafen etwa ein Dutzend Studierende aus Wuppertal und Bonn zur Tagung in Radevormwald ein. Nach einem kurzen Kennenlernen und gemeinsamen Essen beschäftigten wir uns zuerst mit dem Begriff der Frömmigkeit, was bereits die erste angeregte Diskussion auslöste. Schnell wurde klar, dass der häufig etwas veraltete und spießige Anstrich der Begrifflichkeit der inhaltlichen Dimension des Wortes bei weitem nicht gerecht werden kann. In der Spannweite zwischen äußerlicher und innerlicher Frömmigkeit verorteten wir Themen wie: gelebter Glaube, Spiritualität, soziales Engagement, Rituale, Dienstkleidung, Beziehung mit Gott und viele mehr. Kein Bereich der praktischen Theologie ließ sich von dieser Thematik ausschließen, was sich bei jedem neuen Versuch, den Begriff zu definieren, überdeutlich zeigte.

Um unsere Erfahrungen diesbezüglich zu vervollständigen, widmeten wir uns anschließend zweierlei Frömmigkeitspraktiken: zum einen einer angeleiteten Meditation und zum anderen beschäftigten wir uns sowohl gesanglich als auch gestalterisch kreativ mit den Liedern: „Lobe den Herrn“, „Stern, auf den ich schaue“ und „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Diese Arbeit konnten wir am darauffolgenden Abend zu einem ausdrucksvollen Abschluss bringen.

Am nächsten Tag beschäftigten wir uns jedoch zunächst mit den beiden kirchlichen Betätigungsfeldern der Seelsorge und des Kirchenasyls. Neben einigen Einblicken in die praktische Arbeitsweise wurden auch die theologischen Grundlagen und die „rechtlichen“ und politischen Rahmenbedingungen der beiden Bereiche angesprochen.

Vor allem der qualifizierte Vortrag des eingeladenen Referenten Benedikt Kern über das Handlungsfeld Kirchenasyl am frühen Samstagnachmittag zog einen inspirierenden Austausch nach sich, der sich als nahezu perfekte Überleitung zum anschließenden Themenkomplex der politischen Theologie herausstellte.

Hierbei wurde anhand von biblischen und anderen antiken Quellen versucht, das politische Profil Jesu und seiner Jünger herauszuarbeiten und die Frage nach der Übertragbarkeit in unsere heutige Situation gestellt. Mit einer Einführung in die Befreiungstheologie am Beispiel von James H. Cone wurde die bis dato gewonnene Sichtweise ergänzt, womit das Spektrum für die nachfolgende Diskussion aufgespannt war. Die Themen Gewaltverzicht, Macht und Machtlosigkeit, die Fokussierung auf gesellschaftlich und global Marginalisierte und die kirchliche Positionierung zu tagespolitischen Problemen bereicherten den intensiven Austausch bis zum Abendessen.

Im Anschluss daran sangen wir gemeinsam die drei Kirchenlieder, mit denen wir uns am Vorabend auseinandergesetzt hatten. Dabei bemerkten wir, wie sich durch die intensive Beschäftigung mit den Liedern und kleine rhythmische und textliche Anpassungen eine vollkommen andere Erfahrung machen ließ als noch tags zuvor.

Der offizielle Teil der Tagung kam damit zu seinem Ende und der Rest des Abends stand den Studierenden zu ihrer freien Verfügung. Bezeichnenderweise entschlossen sich ausnahmslos alle Anwesenden dazu, an einem gemeinschaftlichen Kurzfilmprojekt mitzuwirken, dessen Ergebnis jedoch – genau wie noch manch anderes Ereignis dieses Wochenendes – ausschließlich den Tagungsteilnehmenden vorbehalten bleibt.

Um einen umfänglichen Eindruck einer FTT zu bekommen, reicht es eben nicht aus, sich einfach diesen knappen Bericht durchzulesen, sondern dafür muss man schon selbst dabei gewesen sein.

Am Sonntagmorgen besuchten wir noch einen gut gefüllten Taufgottesdienste der ansässigen Gemeinde und besprachen anschließend beim Mittagessen eine Auswahl an Ideen für die nächste Tagung. Zu Ort, Zeit und Thema dieser nächsten FTT werden in den nächsten Wochen noch weitere Informationen folgen. Bisher lässt sich dazu nur verraten, dass wieder eine ganze Reihe interessanter Vorschläge diskutiert wurden und somit auch für das nächste Event mit einem durchaus spannenden und kontroversen Programm zu rechnen ist. In diesem Sinne freuen wir uns auch bei nächsten Mal wieder viele Studierende aus dem Einzugsbereich der EKiR begrüßen zu dürfen.

 

Bericht: Nicolas Hassley, Sarah Nketia und Heide-Marie Skok